Wenn die Sirenen heulen

Die Proben für das Stationentheater „Käpplerin und Kalkmännel“ zum Jubiläum 750 Jahre Jockgrim haben begonnen

Kleider werden genäht, Frisuren gesteckt, Licht und Technik in Szene gerückt. Das Theaterprojekt, an dem sich rund 280 Bürgerinnen und Bürger aus Jockgrim und der Südpfalz vor und hinter den Kulissen beteiligen, geht in die nächste Runde.

Die Castings für die Schauspieler und Schauspielerinnen sind abgeschlossen, die letzten Rollen sind vergeben. An zwei Wochenenden im April trafen sich die Schauspieler zu den ersten Proben. Die Skripte wurden gemeinsam gelesen, verstanden, verinnerlicht und dann ungelernt frei wieder gegeben. Nach und nach verwandeln sich die motivierten und begeisterten Teilnehmer zu angehenden Schauspielern. Inhalte werden in der Gruppe diskutiert, Gestik und Mimik eingeübt, studiert und vertieft. Mit viel Engagement und Bereitschaft der Beteiligten verwandelt sich das Bürgerhaus in Jockgrim in einen Proberaum, der mit viel Leben, Spaß und Leidenschaft gefüllt ist. Die Proben finden, passend zu den einzelnen Stationen des Stücks, in kleinen und konzentrierten Schauspielgruppen statt.

 

Regisseur und Projektleiter Walter Menzlaw - Bild: Dani Barmo

Einblick.

Stille, ein konzentrierter Blick in das Skript, die Augen auf den Text fokussiert, aufmerksames Mitlesen - der Spieler überbringt den Brief mit der traurigen Nachricht vom Tod des geliebten Ehemanns und Vaters. Regisseur Walter Menzlaw vom Chawwerusch Theater, der das Projekt mit Marianne Stein leitet, unterbricht: „Wir versuchen es nochmal, probiere es nochmal ganz anders, dass du es nur runter lese musst, eher mit Verzweiflung, ganz schnell“ - Die Schauspielerin, zunächst verwundert, dann in anderem Ton - „Sehr geehrte Frau Gruber, ich hab die traurige Mitteilung zu mache“ – „eher etwas überrascht, dann erschrocken“ kommt als Tipp von der Regie, „wir probieren es einfach noch einmal“.

Step by Step wird den Schauspielern bewusst, auf was es wirklich ankommt, auf was sie achten müssen und wie sie Informationen und Emotionen in dem Stück über die Entwicklung Jockgrims vom Bauern- zum Zieglerdorf wiedergeben können. Mit viel Humor und Elan geht jede Frau, jeder Mann ihre oder seine Rolle an. Sie geben sich große Mühe, sich in ihre Rolle hineinzuversetzen. Bei den Gesprächen untereinander wird bewusst, dass die sich anfangs noch fremden Menschen allmählich zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen, die zusammen etwas Großes erreichen will. Schon jetzt wird klar, dass mit dem Theaterprojekt viele neue Kontakte zwischen Ur-Jockgrimern, Zugereisten und Auswärtigen geknüpft wurden.

Erste Szenische Übungen der Schauspieler - Bild: Dani Barmo

Auch der Spaß kommt bei den Proben nicht zu kurz: „Ich soll am Anfang schon heule? – Ich kann des nit“ - so fallen viele weitere Sätze. Obwohl die Beteiligten Ihre Aufgaben sehr ernst nehmen, zeigt sich, dass das miteinander Lachen eine mindestens genau so große Rolle in den Proben einnimmt wie das Lesen und Lernen des Skripts selbst.

Wenn dann endlich alle überzeugt sind, dass man die Texte wohl doch besser auswendig sprechen sollte, werden die Proben noch spaßiger. Es wird ausprobiert, nach Wörtern, die in der Luft hängen, gesucht, nach Ausflüchten Ausschau gehalten. Es ist fast so, wie in der Schule: “Nicht spicken!“ – „Mach mal deinen Text zu!“.

Sirenen des Luftangriffes durchschneiden die Luft

Schreie: „los, los raus hier!“, Bombenlärm gefolgt von gespenstischer Stille. Die Menschen stehen vor den Trümmern, Verzweiflung und Unruhe mach sich breit. Ein Hörspiel entsteht, vermittelt den Anwesenden einen ersten Eindruck, wie ein solch tragisches Ereignis in der Szene klingen könnte.

Konzentriert bei der Textarbeit  - Bild: Andreas Mauritz

Im Anschluss an das Hörspiel gehen alle auf ihre Positionen, ein Wagen mit Stühlen dient als Ersatz für einen Bollerwagen, die einzelnen Stationen werden diskutiert und besprochen. Der gesamte Saal des Bürgerhauses ist ein großer Schauplatz, es entsteht ein raumerfüllendes Stück voller unterschiedlicher Ereignisse, Emotionen und Facetten. Die nächste Szene: Der Krieg geht allmählich zu Ende, die schweren Jahre sind vorbei. Der Blick geht nach vorne in eine hoffentlich bessere Zukunft. Eine Freudenfeier beginnt.

Im Juni und Juli geht es für die Spielerinnen und Spieler, die Assistenten und Wegbegleiter in die nächste Probenrunde mit den Theaterprofis Walter Menzlaw, Felix S. Felix und Marianne Stein. Im Hintergrund wird intensiv an den Kulissen und Kostümen sowie an der Organisation der Aufführungen für das von der Gemeinde Jockgrim beauftragte Theaterprojekt zum Ortsjubiläum gearbeitet. Ende Oktober und Anfang November wird „Käpplerin un Kalkmännel“ rund um das Ziegeleimuseum und Bürgerhaus aufgeführt.

» weitere Bilder in der Bildergalerie

PR-Gruppe Theaterprojekt Jockgrim